Die Netzwerköffentlichkeit und die persönliche Öffentlichkeit

Die persönliche Öffentlichkeit richtet sich an ein Publikum aus sozialen Kontakten, wie beispielsweise Freunden, Bekannte, Kollegenen oder Familienmitglieder. Eine ‘große’ Öffentlichkeit wird in der Regel nicht angestrebt.

Das Konzept der Netzwerk-Öffentlichkeit geht davon aus, dass sich im Internet Suböffentlichkeiten bilden, die als Gruppe über ganz eigene Wissensbestände verfügen. Es handelt sich dabei um einen weiteren Kommunikationsraum neben der massenmedial geprägten Öffentlichkeit.

In den Netzwerk-Öffentlichkeiten wird sich mit Gleichgesinnten ausgetauscht und spezifische Informationen und Sichtweisen werden verbreitet. Politische Akteure werden durch Netzwerk-Öffentlichkeiten autarker. Während das Konzept der Netzwerk-Öffentlichkeit den Schwerpunkt auf das neue Verhältnis zwischen politischem Akteur und Teil- bzw. Gegenöffentlichkeiten legt, konzentriert sich das Konzept der persönlichen Öffentlichkeit primär auf die Nutzer.

Sie oder er sucht sich im Internet Inhalte nach Kriterien der persönlichen Relevanz. Digital können Informationsquellen nach eigenen Bedürfnissen selbst zusammengestellt werden. Gleichzeitig richtet sich die persönliche Öffentlichkeit an ein Publikum aus sozialen Kontakten, wie beispielsweise Freunden, Bekannte, Kollegen oder Familienmitglieder. Eine ‘große’ Öffentlichkeit wird in der Regel nicht angestrebt, obwohl die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Zudem ist persönliche Öffentlichkeit durch einen wechselseitigen Austausch und durch Dialog gekennzeichnet. Somit verschwindet in der persönlichen Öffentlichkeit allmählich das massenmediale Sender-Empfänger-Modell.

Das frühere Twitter wäre dafür ein gutes Beispiel. Aus netzwerktheoretischer Sicht bestand es aus den wesentlichen Hubs, relevanten Clustern und Akteuren der öffentlichen Sphäre. Auf Twitter tummelten sich (fast) alle, die an den Semantiken arbeiten: Wissenschaftler, Autor, Künstler, Aktivisten, Politiker aller Ränge, Juristen, Medienleute, allerlei Prominente und Public Figures und Experen für praktisch alles. Das, was wir digitale Öffentlichkeit nennen, fand nicht ausschließlich, aber zu einem bedeutenden Teil auf Twitter statt

Die digitale Öffentlichkeit hat, auf den kommerziellen Plattformen, allerdings aufgehört eine vernetzte Öffentlichkeit zu sein und geht zunehmend in den „For you“-Algorithmen der kommerziellen Plattformen auf. Das bedeutet, dass die neue digitale Öffentlichkeit nicht mehr durch menschliche Beziehungen und vernetztes Vertrauen getragen wird, sondern vollends den opaken Steuerungsinstrumenten einer Hand voll Konzernen ausgeliefert ist.


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