Institutionelles Vertrauen vs. Selbstverantwortung: Der Graben zwischen Normies und Bitcoinern
Der wesentliche Unterschied zwischen jemandem, der den „orangenen Kaninchenbau“ betreten hat und einem „Normie“ ist aus meiner Sicht simpel:
Letzterer hat sein Vertrauen in Institutionen (noch) nicht verloren.
Ich habe diesen Prozess selbst durchlaufen – und tue es immer noch. Man versetze sich nur einmal zurück in sein „Pre-Coiner“-Ich. Zunächst ist das Vertrauen in die ordnungsgemäße Funktionsweise von Institutionen und der Glaube , dass diese Positives bewirken werden, wenn sie nur von dem Richtigen geführt werden, noch recht groß.
Aber mit jedem Schritt tiefer in den Kaninchenbau wird dieses Vertrauen nach und nach untergraben.
Sobald man die Erkenntnis erlangt hat, dass unser Geld- und Finanzsystem grundlegend manipuliert und ungerecht ist, kommt man nicht umhin, diese Erkenntnis auch auf andere Bereiche der Gesellschaft zu übertragen – bis zu dem Punkt, an dem man den Glauben an zentralisierte Autoritäten gänzlich verloren hat.
„Normies“ auf der anderen Seite gehen (im allgemeinen Grundverständnis) immer noch davon aus, dass Institutionen effektiv funktionieren, Probleme lösen und grundsätzlich das Gemeinwohl anstreben.
Darin liegt oft die Diskrepanz in der Kommunikation:
Wenn du von der grundlegenden Annahme ausgehst, Autoritäten zu misstrauen, ist es schwer, die gleiche Sprache zu sprechen wie jemand, der grundsätzlich glaubt, dass Problemlösungen innerhalb dieser Institutionen und nicht außerhalb liegen.
Für diese Person werden kritische Argumente allein nicht überzeugend sein, es sei denn, es wird ein positives Bild einer externen Alternative gezeichnet.
Daher wird das bloße Aufzeigen von Fehlern, Dysfunktionalität und Versagen eher Zweifel wecken und zu einer Verteidigungshaltung führen, als zu überzeugen.
Menschen neigen dazu, sich an einmal gewonnenen Ansichten festzuklammern, vor allem, wenn diese das Gerüst ihres gesamten Lebens bilden. Diese Ansichten ohne Alternative zu zerstören, hinterlässt im schlimmsten Falle eine beängstigende Leere.
Daher muss eine positive Alternative aufgezeigt werden. Eine neue Weltsicht, die zeigt, dass Systeme auch ohne zentrale Instanz funktionieren können und die Welt dennoch nicht im Chaos versinkt.
Bitcoin als Beispiel für Ordnung ohne „Ordner“
Bitcoin kann diese alternative Ordnung aufzeigen – ein Paradebeispiel für ein selbstorganisierendes System, das auch ohne Vertrauen in andere Teilnehmer funktioniert.
Bitcoin ist inhärent „vertrauenslos“ konzipiert und gründet seine innere Ordnung ausschließlich auf Code, Physik, Mathematik, Netzwerkkonsens und Dezentralität - nicht auf menschliche Autoritäten.
Und sobald erkannt wird, dass Bitcoin Ordnung ohne einen zentralen Organisator schafft, kann diese Erkenntnis auch auf andere Ökosysteme übertragen werden.
Vom Fremdvertrauen zum Selbstvertrauen
Um dies zu akzeptieren, ist allerdings noch etwas anderes entscheidend.
Bitcoin ist zwar „trustless“ im Sinne, dass man den anderen Teilnehmern nicht vertrauen muss; es funktioniert dennoch nicht gänzlich ohne Vertrauen.
Der Fokuspunkt des Vertrauens ist schlicht ein anderer. Statt Vertrauen darin zu setzen, dass Dritte die Welt ordnen, muss Vertrauen in sich selbst entwickelt werden. Nur dann kann ein dezentrales System funktionieren.
Wo externe Krücken keine Stabilität mehr garantieren, muss man lernen, buchstäblich auf eigenen Füßen zu stehen.
Bitcoin verlangt einen radikalen Wandel zur Eigenständigkeit, da das System auf Eigenverantwortung beruht. Niemand anderes verwaltet oder schützt deine Bitcoins. Du selbst bist allein dafür verantwortlich, deine privaten Schlüssel sicher aufzubewahren, Transaktionen korrekt durchzuführen und mögliche Risiken eigenständig abzuschätzen - oder überhaupt erst bei Bitcoin mitzumachen.
Ohne Eigenständigkeit würde das System scheitern, denn dezentrale Verantwortung funktioniert nur, wenn jedes Individuum seine Rolle aktiv wahrnimmt.
Das bedeutet zunächst, Vertrauen in die eigene Urteilsfähigkeit zu entwickeln, Annahmen zu hinterfragen und Informationen unabhängig zu überprüfen.
Hat man diese Einsicht einmal akzeptiert, kann man sie leicht auf andere Lebensbereiche übertragen.
Orangepilling braucht positive Visionen
Bevor also ein Weltbild zerstört wird – bevor die Krücken weggeschlagen werden –, muss gezeigt werden, dass auch die eigenen Beine tragen können. Wenn das alte Vertrauen – in Institutionen und die bislang prägende Weltsicht – zerstört wird, sind neue Fundamente erforderlich.
Daher sollte ein Teil der Kommunikation mit einem Normie darin bestehen, nicht nur die Fehler und Mängel des Alten aufzudecken, sondern auch einen Weg nach vorne aufzuzeigen und dabei Vertrauen in die eigene Selbstwirksamkeit aufzubauen.
Mit diesem Rüstzeug ist die Erosion des institutionalisierten Vertrauens keine Tragödie, sondern Emanzipation.
Ich kann das an mir selbst beobachten. Wo ich einst Experten und Autoritäten vertraute, tritt nun zunehmend meine eigene Perspektive zutage. Wo ich früher Banken mein Geld anvertraute (sei es bei Investments oder schlicht zur Verwahrung), halte ich heute selbst die Schlüssel zu meiner Bitcoin-Wallet.
Dies führte mich zu der Erkenntnis, dass wahre Freiheit von Systemen ausgeht, die Individuen stärken, anstatt sie zu lenken und zu kontrollieren. In dem wir positive Alternativen wie Bitcoin aufzeigen, verwandeln wir die Kritik an fehlerhaften Systemen in eine inspirierende Vision, die Selbstverantwortung als Grundlage für eine bessere Welt etabliert.
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