Wie funktioniert eine Revolution?

Was revolutionär ist, muss einfach sein.
Wie funktioniert eine Revolution?

Einfach. Das vorweg.

Was revolutionär ist, muss einfach sein. Wer sich einmal mit Design, Kunst, Technik, Mathematik, Sprache, Lyrik, Humor oder überhaupt mit einer Sache tiefgehend beschäftigt, merkt irgendwann: Einfachheit ist das schwerste, was es gibt.

Die Essenz einer Sache, was etwas ausmacht.

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Berühmtes Werk von Picasso

Dieses Bild von Picasso ist ein Beispiel für Einfachheit. Drei Striche. Zwei Kurven und ein spitzer Winkel. Das war’s. Die Signatur ist aufwändiger, als das eigentliche Bild. Ein schönes Bild. Es lädt den Betrachter ein und lässt ihn in Ruhe. Ein Rücken und ein Hintern.

Was ist eigentlich ein Staat? Ein Territorium und Bewohner. Das war’s. Land und Leute. Es ist wirklich nicht mehr als das. Der Staat bin Ich und der Boden. Die Biene und der Baum, der Bayer und der Sachse, Bayern und Sachsen.

Alles was darüber hinausgeht, ist nicht Staat, nicht Nation, nicht Land. Es sind Regeln, es sind Bedürfnisse, Abhängigkeiten, Erfordernisse, Verwaltung. Eingegliedert in Wirtschaft, Militär, Finanzen, Kultur, Bildung, Ernährung, Forschung, Produktion. Das sind alles bloß Begriffe. Die Überschriften auf den Einbänden dicker Bücher, die niemals ein Mensch allein alle lesen kann.

Jeder Mensch ist ebenfalls ein solches Buch. Name drauf. Das ist der Titel und ob derjenige etwas hineinschreibt oder nicht ist egal. Wir legen das Buch mit deinem Namen einfach erstmal dazu, zu den anderen Büchern. Da vorne, zwischen Buch Liebe und Buch angewandte Raketentechnik ist ein Platz frei. Zum Beispiel. Kannst es auch zu Buch Nacktmulle oder Buch ich hasse lesen legen. Es spielt keine Rolle. Dein Buch gibt’s. Deinen Namen gibt es bereits zehn Millionen Mal. Egal, Du weißt, welches deins ist. Oder?

Es gibt Bücher, die haben schon einen Namen, obwohl sie nicht geschrieben wurden. Das, welches du mal schreiben wolltest. Oder das Buch über schadstofffreie Kernfusion in der Hosentasche: Wie mein Buttplug mein Exoskelett lädt.

Um etwas in ein Buch zu schreiben, braucht es nichts. Selbst wenn man keinen Namen bekommt: Das Buch gibt’s. Ohne Titel, trotzdem einzigartig. Eine Frau erwartet ein Kind. Sie denkt sich bereits Namen aus. Kauft Babykleidung, richtet ein Zimmer ein. Kauft ein Babybuch und kleine knuffige Söckchen mit Löwen und Elefanten. Fehlgeburt. Das Kind schafft es nicht. Sein Buch endet. Auf einer Seite in Mamas Buch bleibt eine Beschreibung, wie es vielleicht ausgesehen hätte.

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Getötetes Kind in Gaza

Dieser palästinensische Junge heißt Jad Suleiman. Der Schrapnellsplitter einer explodierenden Rakete traf ihn im Genick und durchtrennte das Rückenmark seiner Halswirbelsäule. Er war auf der Stelle tot. Jad wurde 8 Jahre alt.

Um ein Buch zu haben, muss man nicht lebendig sein. Alles was es gibt und gab, hat auch ein Buch. Und eigentlich hat auch alles, was es mal geben wird, irgendwo längst ein Buch. Das Alles existiert bereits im hier und jetzt.

Wir legen das Buch darüber, zu denen über Gott und die Welt.

Da liegt auch irgendwo ein Buch, wo Weltfrieden draufsteht.

Was digital existiert, existiert nicht wirklich, sondern bloß abstrakt. Irgendeine Elektro-Schaltung auf einer Festplatte oder umgewandelt in einen Binär-Code. Unwichtig. Wichtig ist, das es streng genommen bloß eine Simulation ist. Das Kochrezept darin funktioniert, dass Essen auf dem digital-Foto war lecker. Die Erinnerung ist noch ganz warm.

In der Welt der Informationen, sind alle Strukturen Datenspeicher. Tritt ein Bär in den Schlamm, bleibt sein Pfotenabdruck zurück. Geht er ins Unterholz, bleiben zerbrochene Zweige zurück. Eine Beule im Laub. Läuft er über nackten Fels, hinterlässt er keine Fährte. Der Stein speichert nur, was ihm auf die Oberfläche geschmiert wird. Um etwas in Stein zu speichern, braucht es enorme Kraft. Auf Papier zu schreiben ist leicht. Die Berührung eines Touchscreens ist ganz sanft, noch viel leichter als das. Stein ist hart.

Was wir über vergangene Epochen und Menschen glauben zu wissen, ist oft aus Stein gefertigt. Papier und Pergament vermodern und zerfallen zu Staub. Das dauert je nach Lagerung keine 30 Jahre. So eine beschriebene Festplatte geht gern mal nach 10 Jahren kaputt. Der Granit ist noch da. Ebenso das, was ihm eingemeißelt wurde. Das Elternhaus deiner Oma wurde längst abgerissen. Baufällig. Die Pyramiden von Gizeh stehen noch.

Der versteinerte Fußabdruck eines riesigen Reptils liegt noch im Boden. Deine Spuren am Strand sind längst fort.

Ich habe in einem Wald, ein eingeritztes Herz in der Baumrinde entdeckt. Es war in fast 2 Meter Höhe noch deutlich in der Eichenrinde zu erkennen. Wer auch immer es einmal dort hineingeschnitzt hat: Dieser Hans und auch seine Lisa sind wahrscheinlich längst tot. Das hat der Baum mir erzählt, ohne ein Wort. Und jetzt tippe ich das hier ab und in ihrer beiden Bücher, schreibt eine unsichtbare Feder einen neuen Satz.

Wir legen dieses Buch beiseite. Zu den Büchern über was-wäre-wenn und das über Wissen. Neben das über Paartherapie und deutsches Scheidungsrecht.

Wenn KI etwas verarbeitet, dann gibt es zwei Optionen: Das Ergebnis gibt es schon, dann macht sie eine Kopie. Du fragst wie viel 2+2 ist, sie schreibt 4. Taschenrechner.

Was passiert, wenn eine Kombination verlangt wird, die es so noch nicht gab? Hier wird es interessant. Wenn etwas neues entsteht, wächst der Leistungsbedarf. Dauert länger, braucht mehr Strom. Diesen Satz gab es so noch nie! 1. Diesen Satz gab es so noch nie! 2. Diesen Satz gab es so noch nie! 3. Diesen 3 Satz gab es so noch nie einmal! 1. Das ist das Prinzip von Unendlichkeit und Einzigartigkeit.

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Die 6 häufigsten Passwörter

Wenn man wirklich jede denkbar mögliche Kombination, allein mit Buchstaben, Zahlen, Sprachen abbilden wollen würde, es wäre wahrlich endlos.

4-stellige Kombinationen. Geht noch. 6-stellig. Hm. 187-stellig. Uff. Aber Bücher? Wir wissen nicht einmal, wie viele Stellen die haben! Manche haben Millionen und wachsen noch! Das Buch der Fehlgeburt ist leer. Mama schrieb 300 Zeichen darüber, eine halbe Seite in ihrem Buch. Das sind Maßeinheiten, die sind willkürlich, ohne Bezugsrahmen. Die Natur kommt ohne aus. Menschen auch. Technik nicht. Wir legen das weg.

Sprechen wir über Verhältnisse. Pi. Was auch immer du mal Pi nimmst, wird ein Kreis. Das spart eine ganze Menge Zeit. Quadrate sind noch leichter: Du nimmst das gleiche ein zweites Mal, 90 Grad, rechter Winkel, Zack, Fläche. Nochmal dran, Zack, Würfel.

Linie, Quadrat, Würfel.

Punkt, Kreis, Kugel.

Winkel, Dreieck, Pyramide.

Gibt’s Bücher drüber. Irgendwo hat jemand dieses Wissen auch mal gespeichert. Die waren unglaublich primitiv. Haben aus Stein einen riesigen Buchstaben gebaut, der für alles mögliche steht. Die früheren Menschen waren schon lustige Trottel! Die hatten einfach zu viel Zeit. Hätten die mal ein Buch über Ägyptologie gelesen, hätten sie sich das alles sparen können. Wäre auch billiger gewesen. Dann hätten die mehr Zeit für sinnvolle Dinge gehabt.

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Der verhüllte Reichstag, 1995

Der Verhüllte Reichstag war ein Kunstprojekt des Künstlerehepaars Christo und Jeanne-Claude. Im Rahmen des Projektes, dessen Realisierung von 1971 bis 1995 dauerte, wurde das Reichstagsgebäude in Berlin vom 24. Juni bis zum 7. Juli 1995 vollständig mit aluminiumbedampftem Polypropylengewebe verhüllt.

Das Konzept der Mastaba (einem altägyptischen, bankförmigen Grabmal) aus bunten Ölfässern war eines der letzten großen Lebensträume des Künstlerpaares Christo und Jeanne-Claude.

Die Mastaba Abu Dhabi, mittlerweile die vereinigten arabischen Emirate, war ein von Ihnen seit 1977 geplantes, gigantisches Wüstenprojekt. Wenn es vollendet wird, soll es aus ca. 410.000 Ölfässern bestehen, 150 Meter hoch, 300 Meter lang und 225 Meter breit sein. Es wäre die größte Skulptur der Welt.

Das Ehepaar bestand darauf, dass keine ihrer Installationen dauerhaft bestehen bleiben soll. Ihre Verwandlungen und ihre Verhüllungen hatten immer ein Ablaufdatum. Kunst hinterlässt den Ort so, wie sie ihn vorgefunden hat.

Den Menschen den sie findet, nie.

Eine Revolution braucht nur ein Symbol. So wie ich sie mir vorstelle, kommt sie ohne Worte aus. Es wird kein Land erobert und nichts zerstört. Doch die Menschen und die Welt sind nie wieder diesselben. Was sie sich nicht einmal vorstellen konnten, macht sie plötzlich glücklich. Obwohl es nicht für ewig ist. Obwohl es nicht wichtig ist. Obwohl es alles schon gab.

Revolution ist Kunst und Liebe.

Ich plane das Sondervermögen-Aufrüstung zu beschlagnahmen und damit Sonnenschirme und Pavillons zu fertigen. Für alle. Zum druntersitzen und reden. Picknicken. Umbrellas. 1.000.000. Schirme für den Frieden.

Das ist meine offizielle, persönliche Forderung an den Bundespräsidenten. Der wird mich dafür auslachen. Ich werde zurücklachen. Mit der Genehmigung winkend.

Ich nehme keine Spenden an. Kein Bürgergeld, kein Almosen. Nie. Ich nehme kein Geld von Leuten, die es für Kriegsgerät ausgeben. Mehrwertsteuer ist zu schade, um in primitiven Müll wie Panzer und Kamikazedrohnen umgewandelt zu werden.

Meine Philosophie nimmt Blutgeld und baut ein Grabmal aus bunten Ölfässern. Sie nimmt Schulden und macht daraus Rettungsschirme die einen Unterschied wie Tag und Nacht machen.

Ich Scheiße auf diese Welt. Also kann ich auch Kunst auf ihr machen.

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The London Mastaba, 2018

Und deshalb

ist meine Kunst eine Revolution.

Peace,

ihr Wichser.

Bleibt friedlich.

euer Timo


Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben.

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Autor: Timogenes (1995-2026) Timogenes@rizful.com

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